Projekt

 

 

Ausgangslage

Der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg konnte in vielen Untersuchungen nachgewiesen werden. Insbesondere bei Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund und mit niedrigem sozioökonomischem Status besteht ein erhöhtes Risiko bezüglich geringem Schulerfolg oder gar Schulversagen im Schweizer Bildungssystem. Deshalb werden diese Schülerinnen und Schüler oft als Risikogruppe bezeichnet. Verbreitet erhofft man sich durch die Einführung von Tagesschulen einerseits die Förderung von kognitiven und sozialen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler und andererseits eine kompensatorische Wirkung in Bezug auf die Vermittlung von kulturellem und sozialem Kapital bei Kindern aus der Risikogruppe und somit die Einlösung der Forderung nach mehr Bildungsgerechtigkeit. Ob Tagesschulen diesen Ansprüchen gerecht werden können, wurde bis jetzt bezüglich der kindlichen Entwicklung im Allgemeinen und spezifisch für Risikokinder im deutschsprachigen Raum kaum sowie international erst wenig untersucht.

Nebst den Wirkungen von ganztägiger Bildung und Betreuung bei Kindern im Schulalter wurden zudem auch deren Nutzung und die Zusammensetzung der Schülerschaft bis anhin in der Schweiz nicht untersucht. Dabei geht es um Fragen allfälliger selektiver Nutzung der Angebote und allfälliger Kompositionseffekte hinsichtlich der Entwicklung der Schülerinnen und Schüler.

Auch zur Qualität der Angebote offener Tagesschulen, wie sie momentan verbreitet aufgebaut werden, gibt es erst vereinzelte Befunde für die Schweiz. In verschiedenen aktuellen Studien im deutschsprachigen Raum zeigt sich jedoch, dass nicht ausschliesslich die Schulform ausschlaggebend, sondern die pädagogische Qualität der Angebote (mit)entscheidend ist. So geht als Forschungsdesiderat verschiedener Studien hervor, dass die pädagogische Qualität differenzierter untersucht und bei Wirkanalysen mitberücksichtigt werden muss.

Forschungsfragen

An diesen Lücken der bisherigen Forschung setzt das geplante Forschungsvorhaben an, welches Fragestellungen in den folgenden Themenbereichen bearbeiten soll:

  • Welche Schülerschaft nutzt die Angebote einer offenen Tagesschule?
  • Wie entwickeln sich Schülerinnen und Schüler im 1. und 2. Primarschuljahr – im Besonderen Risikokinder in der offenen Tagesschule?
  • Welchen Einfluss hat die pädagogische Qualität der Angebote der offenen Tagesschule auf die Entwicklung der Kinder und im Besonderen von Risikokindern?

Methodisches Vorgehen

Es wird eine Längsschnittstudie über zwei Schuljahre bei Kindern der ersten und zweiten Klasse lanciert (siehe Grafik unten). Im Zentrum steht dabei die Untersuchung von Schülerinnen und Schülern aus Primarschulen mit einem offenen (freiwilligem) Tagesschulangebot. Im Sinne eines Quasi-Experiments bilden die Kinder aus den Klassen mit Tagesschulbesuch die Experimentalgruppe und die Kinder aus den Klassen ohne Tagesschulbesuch die Kontrollgruppe. Durch das dreimalige Testen der Schülerinnen und Schüler können die Entwicklungen zwischen den Kindern der Experimentalgruppe mit der Kontrollgruppe verglichen werden. Um mögliche weitere Einflüsse zu Kontrollieren (wie z.B. strukturelle Merkmale der Schule, der familiäre Hintergrund oder die pädagogische Qualität der Tagesschulangebote) werden Erhebungen bei den Eltern, beim Leitungspersonal sowie in den Tagesschulangeboten durchgeführt.

 

An unserer Untersuchung nehmen während zwei Schuljahren rund 2000 Primarschülerinnen und -schüler aus 1. Primarschulklassen (Schuljahr 2013/14) (und derern Eltern) aus 120 Schulklassen, an 53 Schulen mit Tagesschulangebot aus 13 Kantonen in der Deutschschweiz teil. Zudem sind rund 140 Klassenlehrpersonen, 53 Schulleitungen und 53 Tagesschulleitungen an der Untersuchung beteiligt.

 

Die umfangreichen selbst erhobenen statistischen Daten werden durch die Statistiksoftware SPSS und Mplus analysiert. Letztgenanntes Statistikprogramm eignet sich insbesondere für Mehrebenenanalysen (ML) komplexer Stichproben, Strukturgleichungsmodelle (SEM) und latente Wachstumskurvenmodelle (LGCM).



 



Eltern: eine Online-Befragung.
Bildungs- und Betreuungsangebote: Beobachtungs im Tagesschulangebot durch das EduCare-TaSe-Team.
Kinder: dreimalige Erhebung des Entwicklungsstandes (u.a. Sprache und Mathematik) durch das EduCare-TaSe-Team.
Klassenlehrpersonen: dreimalige Onlinebefragung (u.a. zum Sozialverhalten der Kinder).
Perosnal des Tagesschulangebots: zweimalige Onlinebefragung (u.a. Teilnahmehäufigkeit der Kinder am Tagesschulangebot).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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